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Passions- und Osterzeit im Krippenhaus

Wie geht man mit Krippenkindern auf das Osterfest zu? Wie können wir altersgerecht erklären, wofür uns selbst oft Worte fehlen? Bisher haben wir den Leidensweg, den Tod und die Auferstehung von Jesus immer ausgespart. Es war uns nicht gelungen, diese Themen mit der Erlebniswelt eines Kleinkindes in Verbindung zu bringen und so begann die Osterzeit mit dem Aussäen des Ostergrases, der Beobachtung des Wachsens und somit der Hoffnung auf neues Leben. Nach Ostern trafen wir uns zu einem festlichen Osterfrühstück und begannen, den Osterbaum mit bunten Eiern zu schmücken. Anfang des letzten Jahres besuchte eine Mitarbeiterin des Krippenteams den Religionspädagogik Grundkurs. Dort nutzte sie die Gelegenheit, sich noch einmal mit der Passionszeit auseinanderzusetzen und entwickelte ein Puppenspiel für die Kinder. In einer Dienstbesprechung spielte sie zunächst dem Team das kleine Stück vor und sogleich fanden wir: „Ja, so kann es gehen! Das probieren wir aus!“

Ihre Gedanken möchte ich hier mit Ihnen teilen.

Denn es gibt sehr wohl einen Punkt zum Anknüpfen an die Lebenswelt der kleinen Kinder. Sie erleben ihn jeden Tag. Beim Bringen und Abholen und besonders in der Eingewöhnungszeit: Eltern „verschwinden“ und kommen am Ende des Krippentages wieder zurück. Es ist also ein sehr aktuelles, den Kindern sehr bekanntes Thema: Morgens verschwinden Mama oder Papa, das ist oft schmerzlich, aber nachmittags kommen sie immer wieder. Auf die Dauer entwickelndie Kleinen mehr und mehr das Vertrauen, dass sie nicht verlassen sind, sondern dass die Eltern immer wieder zurückkommen. Kleine Kinder haben keine Vorstellung von Zeiteinheiten. Die Uhrzeit, der Rhythmus und die Zählbarkeit von Stunden, das kennen sie (noch) nicht. Abschied heißt erst einmal Verlassen werden und das fühlt sich auch schmerzlich so an. Die Zuversicht und das Vertrauen entwickeln sich nach und nach.

 

In der Ostergeschichte, die wir den Kindern vorspielen und erzählen, steht am Anfang auch die Trauer um den Tod von Jesus. Zwei Frauen kommen an das Grab und teilen ihren Schmerz und ihre Verlassenheit miteinander.
 

Ein Engel rollt dann den schweren Stein von dem Eingang der Grabkammer fort und ein Teelicht wird im leeren Raum angezündet. Dieses Bild soll zeigen, dass es Nähe und Verbundenheit zu Jesus gibt, auch wenn er nicht mehr zu sehen ist. Das Licht leuchtet warm in die Seele und gibt Kraft. 

Anstelle von Verlassenheit stellt sich Geborgenheit ein. Eine Frau spricht zu einer anderen: „Christus ist ja gar nicht fort; er bleibt bei uns!“ Froh gehen die Frauen und erzählen weiter, was sie erfahren haben. Zum Abschluss des Spieles erhält ein jedes Kind ein sonnengelbes Wollflöckchen und wir singen: „Tragt in die Welt nun ein Licht. Sagt allen fürchtet euch nicht. Gott hat euch lieb, Groß und Klein. Seht auf des Lichtes Schein.“ Der Funke, dass wir alle Lichtträger sind und Vertrauen in die Dunkelheit tragen können, bleibt vielleicht in den Kindern. Und wenn wir in der Eingewöhnungszeit erleben, wie die großen Kinder den neuen Kindern ein Taschentuch bringen, wenn sie traurig sind. Wenn sie nach dem Schnuller oder dem Kuscheltier Ausschau halten und es zum Trösten bringen,  oder wenn sie sich einfach nur neben ein trauriges Kind setzen und es mit den eigenen Erfahrungen wortlos trösten, dann sehen wir sie hier in der Krippe: die kleinen Lichtträgerinnen und Lichtträger.

Für das Krippenteam

Barbara Bayer und Petra Scharf